Flucht endet nicht mit der Ankunft
Anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni richtet die Frauenrechtsorganisation SOLWODI den Blick auf das, was nach der Ankunft passiert: Auf Asylverfahren, die Traumatisierte an ihre Grenzen bringen, auf Unterkünfte ohne Schutzkonzept und auf Beratungsangebote, die ausgedünnt werden, während der Bedarf wächst. Dieser Blick fällt in eine besondere Zeit: Seit dem 12. Juni 2026 gilt EU-weit die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) – mit weitreichenden Folgen für Asylverfahren in Deutschland.
Bei der Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) müssen Schutzsuchende ihre Fluchtgründe vollständig, widerspruchsfrei und möglichst detailliert schildern. Was wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist für viele der Frauen, die SOLWODI begleitet, schlicht nicht möglich. Wer Monate oder Jahre in Ausbeutung gelebt hat, wer geflohen ist, wer Gewalt erfahren hat, erinnert sich nicht chronologisch. Traumatische Erinnerungen funktionieren anders, denn sie sind fragmentiert, lückenhaft, manchmal widersprüchlich und sie kommen schon gar nicht auf Abruf. Das Asylverfahren kennt diesen Mechanismus nicht. Wer beim ersten Gespräch schweigt oder Details nicht benennen kann, gilt später oft als unglaubwürdig. Ein System, das Trauma nicht ernst nimmt, lässt Betroffene
somit wiederholt im Stich.
„Viele Frauen, die zu uns kommen, sind Überlebende. Was sie benötigen, ist Zugang zu Beratung und Behörden, die wissen, was Trauma mit Erinnerung macht“, betont Dr. Maria Decker, Vorsitzende von SOLWODI Deutschland e. V.
Für SOLWODI ist der Weltflüchtlingstag ein Anlass, laut zu sagen, was in den Beratungsgesprächen längst bekannt ist: Die Grenze zu überqueren ist nicht das Ende der Flucht, sondern es ist oft erst der Beginn.
Die vollständige Pressemitteilung zum Weltflüchtlingstag finden Sie hier.
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