Buchempfehlungen

Barbara Haslbeck

Sexueller Missbrauch und Religiosität. Wenn Frauen das Schweigen brechen: eine empirische Studie

Berlin 2007: LIT Verlag (39,90 €)

Sexueller Missbrauch beschädigt die Fähigkeit zu vertrauen - sich selbst, anderen Menschen und Gott. Die Studie lässt Betroffene selbst zu Wort kommen. Frauen mit Missbrauchserfahrungen brechen das Schweigen und berichten in Interviews von ihren Bewältigungsprozessen.

Das sehr umfangreiche Buch gibt einen guten Einblick in das Leid, dass die betroffenen Frauen hinter sich haben, und bietet gute Impulse für die Seelsorge. Es ist die Dissertation von Dr. Barbara Haslbeck, die als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl für christliche Gesellschaftslehre und Caritaswissenschaften arbeitet.

Die Autorin fragt zunächst, welche ressourcenorientierten und salutogenetischen Perspektiven die Traumaforschung anzubieten hat und wo der Ort der Praktischen Theologie in diesem Themenbereich ist.
Weil B. Haslbeck für eine optionale Theologie an der Seite der Opfer plädiert, geht sie auch an den Betroffenen nicht vorbei. Im Zentrum der Arbeit stehen daher acht verdichtet rekonstruierte Interviews mit Frauen zwischen 28 und 53 Jahren, die als Kinder sexuelle Gewalt erlebten. In den Interviews geraten sowohl Erfahrungen mit persönlicher als auch mit kirchlicher Religiosität in den Blick.
Trotz schlechter Erfahrungen in ihrer kirchlichen Sozialisation suchen sie nach religiösen Sinngebungen und Ritualen für ihr Leben. Die Untersuchung beschreibt diese in verdichteter Form und reflektiert sie theologisch.
Dabei wird deutlich: Theologie und Kirche sind nur dann glaubwürdig, wenn sie das Leid der Opfer radikal ernst nehmen und sich mit ihnen solidarisch zeigen.
Die theologische Reflexion zeigt:
Ethische Neutralität der Umstehenden behindert die Opfer. Diese brauchen Menschen, die sich mit ihnen solidarisieren und nicht zum Vergeben und Vergessen raten. Die Parteilichkeit des christlichen Gottes setzt einen herausfordernden Maßstab für theologisches Nachdenken und kirchliches Handeln.
Sinn trotz des Schrecklichen kann gefunden werden, wenn das Leid der Opfer radikal ernst genommen wird. Nicht spektakuläre Lösungen, sondern kleine Schritte halten die Hoffnung wach, dass Befreiung vom Würgegriff des Traumas möglich ist.
Die entgegenkommende gewaltlose Liebe Gottes befreit vom Druck der Selbsterlösung und lässt ahnen, was Gotteskindschaft bedeuten kann - gerade für Frauen, die als Kind von den Eltern wenig von dieser vorbehaltlosen Zusage mitbekommen haben.
Gewalt und Missbrauch haben dann nicht das letzte Wort, wenn Solidarität und Sinn im Alltag verortet sind. Darin besteht die jesuanische Praxis, die an einen Gott erinnert, der sein Reich hier und jetzt verwirklichen will.

Sigrid Stapel


 

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